Avodah Zarah 39

Kapitel 39

א דאמר קרא (דברים ז, ב) לא תחנם לא תתן להם חנייה בקרקע האי לא תחנם מיבעי ליה דהכי קאמר רחמנא לא תתן להם חן
1 Die Schrift sagt: <i>du sollst sie nicht begnaden</i>, du sollst ihnen keine Niederlassung auf dem Boden gewähren. — Mit [den Worten:] <i>da sollst sie nicht begnaden</i>, sagt ja der Allbarmherzige, daß man ihnen keinen Beifall zolle!? —
ב א"כ לימא קרא לא תחונם מאי לא תחנם שמע מינה תרתי
2 Die Schrift sollte ja <i>teḥonem</i> sagen, wenn es aber <i>teḥanem</i> heißt, so ist beides zu entnehmen. —
ג ואכתי מיבעי ליה דהכי אמר רחמנא לא תתן להם מתנת של חנם אם כן לימא קרא לא תחינם מאי לא תחנם שמע מינה כולהו
3 Aber dies ist ja noch [für folgendes] nötig: der Allbarmherzige sagt damit, daß man ihnen nichts umsonst schenke!? — Die Schrift sollte ja <i>teḥinem</i> sagen, wenn es aber <i>teḥanem</i> heißt, so ist alles zu entnehmen.
ד תניא נמי הכי לא תחנם לא תתן להם חנייה בקרקע דבר אחר לא תחנם לא תתן להם חן דבר אחר לא תחנם לא תתן להם מתנת חנם
4 Ebenso wird auch gelehrt: <i>Du sollst sie nicht begnaden</i>, du sollst ihnen keine Niederlassung auf dem Boden gewähren. Eine andere Erklärung: <i>Du sollst sie nicht begnaden</i>, du sollst ihnen keinen Beifall zollen. Eine andere Erklärung: <i>Du sollst sie nicht begnaden</i>, du sollst ihnen nichts umsonst schenken.
ה ומתנת חנם גופה תנאי היא דתניא (דברים יד, כא) לא תאכלו כל נבילה לגר אשר בשעריך תתננה ואכלה או מכור לנכרי אין לי אלא לגר בנתינה ולעובד כוכבים במכירה לגר במכירה מנין תלמוד לומר תתננה או מכור
5 Über das Schenken umsonst [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt: <i>Ihr dürft keinerlei Aas essen, dem Fremdling, der in deinen Toren, magst du es geben, daß er es esse, oder du magst es verkaufen einem Nichtjuden</i>. Ich weiß es also von der Schenkung an einen Fremdling und dem Verkaufe an einen Nichtjuden, woher dies vom Verkaufe an einen Fremdling? Es heißt: <i>geben, daß er es esse, oder du magst es verkaufen</i>.
ו לעובד כוכבים בנתינה מנין תלמוד לומר תתננה ואכלה או מכור לנכרי נמצא אתה אומר אחד גר ואחד עובד כוכבים בין בנתינה בין במכירה דברי ר' מאיר רבי יהודה אומר דברים ככתבן לגר בנתינה ולעובד כוכבים במכירה
6 Woher, daß man es einem Nichtjuden schenken dürfe? Es heißt: <i>geben, daß er es esse, oder (du magst es) verkaufen einem Nichtjuden</i>. Damit ist also gesagt, ob einem Fremdling oder einem Nichtjuden sowohl schenken als auch verkaufen — so R. Meír. R. Jehuda sagt, die Worte seien so zu verstehen, wie sie lauten: einem Fremdling schenken oder einem Nichtjuden verkaufen. —
ז שפיר קאמר ר"מ ור' יהודה אמר לך אי סלקא דעתך כדקאמר ר"מ לכתוב רחמנא תתננה ואכלה ומכור או למה לי שמע מינה לדברים ככתבן הוא דאתא
7 R. Meír hat ja recht!? — R. Jehuda kann dir erwidern: nach der Auslegung R. Meírs sollte der Allbarmherzige schreiben: magst du es geben, daß er es esse, und verkaufen, wenn es aber ‘oder’ heißt, so ist zu entnehmen, daß die Worte so zu verstehen sind, wie sie lauten. —
ח ור"מ ההוא לאקדומי נתינה דגר למכירה דעובד כוכבים ור' יהודה כיון דגר אתה מצווה להחיותו וכנעני אי אתה מצווה להחיותו להקדים לא צריך קרא:
8 Und R. Meír!? — Dies besagt, daß die Schenkung an einen Fremdling dem Verkaufe an einen Nichtjuden vorzuziehen sei. — Und R. Jehuda!? — Da es dir obliegt, den Fremdling zu ernähren, nicht aber den Nichtjuden, so ist wegen des Vorziehens kein Schriftvers nötig.
ט ד"א לא תחנם לא תתן להם חן: מסייע ליה לרב דאמר רב אסור לאדם שיאמר כמה נאה עובדת כוכבים זו
9 «Eine andere Erklärung: <i>Du sollst sie nicht begnaden</i>, du sollst ihnen keinen Beifall zollen.» Dies ist eine Stütze für Rabh, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, man dürfe nicht sagen: wie schön ist diese Nichtjüdin!
י מיתיבי מעשה ברשב"ג שהיה על גבי מעלה בהר הבית וראה עובדת כוכבים אחת נאה ביותר אמר (תהלים קד, כד) מה רבו מעשיך ה' ואף ר"ע ראה אשת טורנוסרופוס הרשע רק שחק ובכה רק שהיתה באה מטיפה סרוחה שחק דעתידה דמגיירא ונסיב לה בכה דהאי שופרא בלי עפרא
10 Man wandte ein: Einst befand sich R. Šimo͑n b. Gamliél auf einer Stufe des Tempelberges, und bemerkte eine überaus schöne Nichtjüdin, da sprach er: <i>Wie groß sind deine Werke, o Herr!</i> Und als R. A͑qiba die Frau des ruchlosen Tyrannos Rufus sah, spuckte er aus, lächelte und weinte. Er spuckte aus, weil sie aus einem stinkenden Tropfen hervorging; er lächelte, weil sie später Proselytin werden und er sie heiraten sollte; er weinte, weil diese Schönheit in der Erde vermodern wird!? —
יא ורב אודויי הוא דקא מודה דאמר מר הרואה בריות טובות אומר ברוך שככה ברא בעולמו
11 Er dankte nur; der Meister sagte nämlich, wer schöne Geschöpfe sieht, spreche: Gepriesen sei, der solches in seiner Welt erschaffen hat. —
יב ולאסתכולי מי שרי מיתיבי (דברים כג, י) ונשמרת מכל דבר רע שלא יסתכל אדם באשה נאה ואפילו פנויה באשת איש ואפי' מכוערת
12 Darf man denn [eine Frau] betrachten, [es wird ja gelehrt:] <i>Hüte dich vor allem Bösen</i>, man darf keine schöne Frau betrachten, selbst wenn sie ledig ist, keine verheiratete, selbst wenn sie häßlich ist,